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Pamela

Ich heiße Pamela, bin 26 Jahre alt und komme aus Sizilien. Unsere Familie war zwar christlich, aber nur aus Tradition; daher war ich eine Atheistin: Ich glaubte an nichts außer an meine eigenen menschlichen Kräfte. Ich bin die älteste von vier Schwestern, und als Kind war ich sehr schüchtern und introvertiert. Meine Mutter war übervorsichtig mit uns und mein Vater war kaum zuhause; beide haben gearbeitet, um es uns an nichts fehlen zu lassen. Zum Glück war meine Oma da – die Sommerferien, die wir bei ihr verbracht haben, gehören zu meinen schönsten Kindheitserinnerungen: Aufmerksam kümmerte sie sich um uns, und sie war die erste, die mir von Jesus erzählte. Aufgrund von finanziellen Problemen und durch die Streitigkeiten meiner Eltern gab es in unserer Familie immer mehr „dicke Luft“. Deswegen hatte ich Schuldgefühle und Ängste, die mich plagten, denn ich glaubte, dafür verantwortlich zu sein. In der Schule fühlte ich mich minderwertig, weil ich meine Familie mit der meiner Klassenkameraden verglich. Die Demütigungen in der Schule machten mich wütend, und ich versuchte die Aufmerksamkeit auf mich zu lenken, um anerkannt zu sein.
Ich war naiv und nicht darauf vorbereitet, mein Leben zu bewältigen. Zuhause wurde nicht über die Probleme gesprochen; stattdessen versteckten wir uns hinter den materiellen Dingen.
Eines Tages lernte ich den „trügerischen Schein der Welt“ kennen und fühlte mich davon angezogen. Als ich vierzehn Jahre alt war, haben sich meine Eltern getrennt: Das war der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte; von dem Zeitpunkt an geriet ich immer mehr in die Fänge des Bösen. In mir ist eine Rebellion ausgebrochen, die ich mit meinem äußeren Erscheinungsbild zu vertuschen versuchte. Indem ich Drogen nahm, betäubte ich das Leid, das ich durch den Verlust meiner Familie empfand; ich fühlte mich traurig und leer. Ohne Vater schien das Leben keinen Sinn mehr zu haben; ich hing sehr an ihm und sein Weggehen führte dazu, dass ich mich selbst ablehnte und mich als Versagerin fühlte. Vor meinen Freunden habe ich tausende Masken aufgesetzt: Kleidung, Geld... Ich tat alles, um mich angenommen und geliebt zu fühlen. Ich war davon überzeugt, dass man die Liebe kaufen könne, aber diese Welt der Illusionen und Träume, die Flucht vor der Realität haben mich immer näher an den Abgrund gebracht. Auch die Probleme meiner Heimat belasteten mich; viele meiner Freunde litten unter Arbeitslosigkeit und unter dem Druck der Mafia. Daher begann ich, Sizilien zu hassen. Ich wollte meine Herkunft auslöschen, so „floh“ ich mit meinem Freund nach England. Noch einmal baute ich mir dort eine Scheinwelt aus Illusionen und Träumen auf und machte mir vor, dass alles in Ordnung sei... In England bin ich in den „Tunnel des Heroins“ geraten, der mich geradewegs in die Hölle führte! Heute bin ich sicher, dass damals jemand für mich gebetet hat, denn als ich „ganz unten“ war, begann ich, einen Ausweg zu suchen. So bin ich in die Gemeinschaft Cenacolo eingetreten, auch wenn ich mir in meiner Falschheit einredete, dass ich es deswegen tue, um meinem Freund zu helfen, von den Drogen loszukommen.
In der Gemeinschaft aber hat sich das Dunkel meines Lebens allmählich gelichtet. Ich habe die Wahrheit kennengelernt: Ich kannte sie nicht, aber indem die anderen mir die Wahrheit sagten, haben sich all meine Masken und Illusionen in Nichts aufgelöst... Das hat den Weg für die Begegnung mit Gott geöffnet, für die Begegnung mit Jesus in der eucharistischen Anbetung. Jesus hat mir geholfen, mir selbst zu vergeben, den anderen zu vertrauen und mich so anzunehmen, wie ich bin. Mit Ihm überwinde ich meine Ängste und entdecke die Werte des Lebens – besonders die gelebte Freundschaft: dass jemand dir nahe ist und dir Mut macht, dir vergibt, Rücksicht nimmt und dir Kraft und Hoffnung gibt. Dafür will ich Jesus und Maria danken.
Seit mehr als zwei Jahren bin ich im Cenacolo-Haus in Lourdes und ich sehe, dass mir die Mutter Gottes nahe ist – vor allem in den Schwierigkeiten – und dass sie mich zu Jesus führt. Dadurch lerne ich immer mehr, Frau und Mutter zu sein, um anderen zu helfen: Ich will nicht mehr nur an mich selbst denken. Ich will für diejenigen da sein, die mich brauchen, denn ich habe entdeckt, dass das Leben unendlich wertvoll ist. Ich will denen helfen, die mehr leiden als ich.
Die Heilung meines Herzens geschieht, indem ich in den Herausforderungen des Lebens jeden Tag mein kleines „Ja“ spreche.

 

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