ItalianoHrvatskiEnglishFrançaisDeutchEspañolPortuguesePo PolskuSlovakia     

 

FREITAG 16

BISCHOF GUERRINI – PREDIGT am Freitagnachmittag

In dieser Heiligen Messe werden wir die „Sakramente der Christlichen Initiation“ feiern. „Initiation” heißt: einen Weg beginnen; es kennzeichnet eine Straße, die hineinführt, die eintreten lässt. Für uns ist das der Weg, der in das Leben mit Christus einführt, der in das Leben Christi mündet. Versuchen wir also, die reichhaltigen Zeichen der Liturgie sprechen zu lassen, die uns zum Nachdenken anregen wollen.
Das Wort Gottes, das wir gerade verkündet und gehört haben, sagt uns, dass dieser Weg der Initiation eine zentrale Gestalt hat: den Heiligen Geist, den Geist Jesu. Und dieser Geist ist es, der – wie wir in der Lesung aus dem Brief an die Galater gehört haben – in unseren Herzen ruft: „Abba, Vater!“ Es ist dieser Geist, von dem Jesus zu Nikodemus spricht: „
Wenn jemand nicht aus Wasser und Geist geboren wird, kann er nicht in das Reich Gottes kommen.“ Also ist die Hauptperson der Heilige Geist.
Das Ziel, der Zielpunkt dieses Weges ist das, was uns der heilige Paulus sagt: “Daher bist du nicht mehr Sklave, sondern Sohn; bist du aber Sohn, dann auch Erbe, Erbe durch Gott.” Das ist es, was Jesus meint, wenn er sagt: “Ihr müsst von neuem geboren werden.” Jesus will eine völlig neue Wirklichkeit.
Darum lasst uns versuchen, die Schönheit und Größe dieser Zeichen zu erfassen, in denen die Initiative Gottes, der Hauch Seines Geistes gegenwärtig ist, diese Zeichen, die ein kostenloses Geschenk sind und ein immerwährendes Merkmal einprägen.
Wir bezeichnen dieses endgültige und unauslöschliche Geschenk als “Charakter”: Die Taufe und die Firmung verleihen diesen “Charakter”. Der Katechismus der Katholischen Kirche nennt ihn ein geistiges Siegel. Ein Siegel, das ist ein Merkmal, ein Zeichen der Zugehörigkeit, das uns nach dem Bild Christi gestaltet. „Nach dem Bild Christi gestalten” will besagen, dass es uns Christus ähnlich macht, besonders indem es uns dazu befähigt, auf den Vater zu schauen, Ihm gehorsam zu sein und auf die Brüder und Schwestern zu schauen und ihnen so zu dienen wie Christus.
Einem Wort des heiligen Paulus folgend macht uns dieser “Charakter” fähig zum “wahren und angemessenen Gottesdienst”: Wir werden fähig, in unserem ganz konkreten Leben zu bezeugen, dass wir den Herrn wirklich lieben und ihm dienen, und ebenso unseren Nächsten.
Dieses Geschenk, diese Gleichgestaltung mit Christus, dieses Christus-Jesus-Ähnlich-Werden führt uns zu jenem anderen Geschenk, welches besonders ist, weil es sich nicht nur einmal im Leben empfangen wird, sondern immer wieder, weil es Nahrung und Speise ist: die Eucharistie.
In Taufe und Firmung empfangen wir den Heiligen Geist, um Christus ähnlich zu werden, um Teil seiner Kirche zu werden und dies führt uns zur Eucharistie, führt uns dazu, uns mit dem Leib Christi zu nähren.
Auch für uns, die wir schon vor längerer Zeit getauft und gefirmt wurden, ist diese Feier eine Gelegenheit, diesen Weg neu zu beleben, ihn bewusster zu gehen und die übernommenen Verpflichtungen treuer zu erfüllen.
Tatsächlich ist dies das Geschenk, das Geschenk des Heiligen Geistes, des neuen Lebens; das Geschenk des “Charakters“, des Siegels; aber es ist zugleich Verpflichtung: Die Antwort muss von uns kommen.
Es gibt die Freiheit Gottes, des Gottes, der Geist ist und “weht wo er will und von dem du nicht weißt woher er kommt und wohin er geht.“ Es gibt die Freiheit Gottes, aber auch unsere Freiheit, die wir in Kürze durch die einfachen Worte ausgedrückt finden: “Ich widersage”, “ich glaube”, “amen”. Das sind Worte, die unsere Zugehörigkeit ausdrücken, die sich nicht erschöpft in einem Tag oder in einer so außerordentlichen Erfahrung wie der des “Festa della Vita”. Diese Zugehörigkeit muss tagtäglich in ausdauernder Geduld, in Glaube und Liebe konkret werden; denn jeden Tag müssen wir auf die Frage antworten, die uns bei diesem Fest begleitet: “Wer ist mein Nächster?“
Wenn ich in den Pfarreien meiner Diözese das Sakrament der Firmung spende, dann sage ich am Schluss immer: “Es ist schön, Christ zu sein!” Heute sind wir Christen von einem gewissen Misstrauen umgeben. Viele Jugendliche haben kein Vertrauen zur Kirche. Darum liegt es an uns: Es liegt an euch, die ihr die Taufe und die Firmung empfangt und an uns, die wir Taufe, Firmung und Eucharistie bereits empfangen haben, Zeugnis zu geben mit unserem Leben, mit dem Leuchten unserer Augen, mit unserer Freude, mit unserem ganzen Denken, Reden und Tun: Dadurch wollen wir der Welt sagen: „Es ist schön, Christ zu sein; es ist schön, dem Herrn zu dienen, Ihm nachzufolgen!“. Es ist deswegen schön, weil es wahr ist: Das Christsein eröffnet Horizonte der Hoffnung, verleiht Kraft und schenkt Frieden; es ist schön, weil wir die wahre Freude wiederfinden. Der Herr gibt uns seinen Geist, um zu Zeugen der Freude zu werden.
Heute gedenkt die Kirche der Mutter Gottes vom Berge Karmel. In der Bibel ist der Berg Karmel der Ort des Glaubens, aber auch der Garten der Schönheit. Auf die Fürsprache Marias möge uns der Herr seine Gnade schenken und seinen Geist, damit wir den Glauben leben können und damit dieser Glaube zur Schönheit unseres Lebens werde.
Gelobt sei Jesus Christus.

Print this pagePrint this page