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Christoph Kardinal Schönborn, Erzbischof von Wien

Passio Christi – Passio hominis:
Das Geheimnis des Karsamstags
Meditation im Dom von Turin, Montag, 12. April 2010, 21.00 Uhr

„Was ist das? Tiefes Schweigen herrscht heute auf der Erde, tiefes Schweigen und Einsamkeit“, beginnt eine am „großen und heiligen Sabbat“ in den Trauermetten gelesene Homilie, die Epiphanios von Salamis († 535) zugeschrieben wird. „Tiefes Schweigen, weil der König ruht. ‚Furcht packt die Erde, und sie verstummt’, weil Gott – als Mensch – in Schlaf gesunken ist und Menschen auferweckt hat, die seit unvordenklicher Zeit schlafen. Gott ist – als Mensch – gestorben, und die Unterwelt erbebt. Gott ist für kurze Zeit in Schlaf gesunken und hat die (Menschen) in der Welt des Todes auferweckt.“
Diese Homilie – wo könnte sie uns mehr zu Herzen gehen als vor der Sindone, diesem Bild der Grabesruhe des Herrn? Es ist, als ob Er selbst zu uns spräche: „Sieh die Spur der Geißelhiebe auf meinem Rücken, die ich mir gefallen ließ, um deine Sünden zu vernichten, die auf deinem Rücken lasten. Sieh meine Hände, die so glückverheißend mit Nägeln an das Kreuz geheftet sind, deinetwegen: denn du strecktest (einst) zu deinem Unglück deine Hände aus nach dem Holz. Ich entschlief am Kreuz, und die Lanze durchbohrte meine Seite, für dich.“
Diese Homilie spricht jenen Glaubensinhalt an, den wir im Credo mit dem kurzen Satz bekennen: „… hinabgestiegen in das Reich des Todes“ („descendit ad inferos“). Zur Erlösung des Menschen gehört auch, dass Jesus Christus den Tod „koste“, den Zustand des Totseins wirklich durchmacht, wie wir es so erschütternd an der Sindone sehen. „Es ist das Mysterium des Karsamstags, an dem Christus, ins Grab gelegt, in die große Sabbatruhe Gottes eingeht, nachdem er das Heil der Menschen vollbracht und das ganze All versöhnt hat“, formuliert  der Katechismus der Katholischen Kirche.

Der Zugang zu diesem Glaubensartikel fällt heute nicht leicht. Die Glaubenswahrheit ist hier in Begriffen aus einer Vorstellungswelt formuliert, die uns heute fremd ist. Der Gedanke an ein „Reich des Todes“, eine „Unterwelt“ unterhalb unseres eigenen Lebensraumes, eine „Hölle“, die die toten Seelen fasst, scheint unserem modernen rationalen Bewusstsein völlig fern zu liegen. Dieser Glaubenssatz reizt „zur ‚Entmythologisierung’, die man hier gefahrlos und ohne Ärgernis scheint vollziehen zu können“, wie unser Heiliger Vater in seiner Einführung ins Christentum schrieb. 
Wäre es daher nicht besser, darauf zu verzichten? Jedoch: Die Kirche hat seit ältester Zeit an diesem Bekenntnis festgehalten. Müßte das für uns nicht ein Ansporn sein, sich gerade dann darauf einzulassen, wenn die Frage schwierig und dunkel erscheint? Gerade im Blick auf das vergangene Jahrhundert scheint die Beschäftigung mit dem Karsamstag, mit dem Tag, an dem Gott schweigt, heute aktueller denn je.

Betrachtet man den Glaubenssatz von Jesu Abstieg in das Reich des Todes im einzelnen, so erscheint ganz klar, dass mit diesem „Reich des Todes“, der „Unterwelt“, der „Hölle“ nicht der Ort ewiger Verdammnis, sondern die Wohnstatt der Toten gemeint ist, die hebräisch als Scheol, griechisch als Hades (Apg 2,31) bezeichnet wird. Das ist der Ort, wo die Seelen der Verstorbenen nach dem Tod gefangen gesetzt sind.
Im Neuen Testament finden sich zahlreiche Belege, auf die dieser Glaubenssatz zurückgeführt werden kann. Bereits die Pfingstpredigt des Petrus enthält einen Hinweis. Dort wird eine Stelle aus Psalm 16 als Ankündigung der Auferstehung vorgestellt: „Er gibt ihn nicht der Unterwelt (= Hades) preis, und sein Leib schaut die Verwesung nicht“ (Apg 2,31 vgl. Ps. 16,10). Im gleichen Sinne steht bei Paulus im Römerbrief: „Wer wird in den Abgrund hinabsteigen? Das hieße: Christus von den Toten heraufführen“ (Röm 10,). Zweierlei ist hier festgehalten, einmal dass zum Tod Jesu am Kreuz untrennbar auch das Totsein, also das Hinabsteigen in das Totenreich gehört. Zum andern ist hier das Hinabsteigen zu den Toten mit dem Aufsteigen zum Vater verbunden, also mit dem Anfang der eschatologischen Vollendung. „Derselbe, der herabstieg, ist auch hinaufgestigen bis zum höchsten Himmel, um das All zu beherrschen (Eph 4,10).
Die biblischen Zeugnisse bekräftigen das Hinabsteigen Christi zu den Toten als echte Todeserfahrung, als den tiefsten Ausdruck der Solidarität mit den Menschen. Während der drei Tage, von seinem Tod bis zur Auferstehung, hat Jesus den Todeszustand erfahren, das heißt die Trennung der Seele vom Leib, im Zustand und in der Natur aller Menschen“.  Das hat Jesus selbst angekündigt, als er seinen eigenen Weg mit der Geschichte des Propheten Jona verglich: „Denn wie Jona drei Tage und drei Nächte im Bauch des Fisches war, so wird auch der Menschensohn drei Tage und drei Nächte im Innern der Erde sein“ (Mt 12,40).
Als erste Belegstelle für den Abstieg in die Unterwelt galt seit den frühesten Vätern lange Zeit eine dunkle und schwierige Stelle aus dem ersten Petrusbrief: „So ist er auch zu den Geistern gegangen, die im Gefängnis waren, und hat ihnen gepredigt“ (1 Petr 3,19). Um einen rechten Zugang zu dieser Passage zu finden, ist es nötig, den Kontext zu beachten. Unmittelbar vor diesem Vers heißt es: „Denn auch Christus ist der Sünden wegen ein einziges Mal gestorben, er, der Gerechte, für die Ungerechten, um euch zu Gott hinzuführen; dem Fleisch nach wurde er getötet, dem Geist nach lebendig gemacht“ (1 Petr 3,18). Hier ist eine Dualität angesprochen: Der Leib ist tot, die Seele hingegen steht im Leben, in der Anschauung Gottes. In diesem Zustand ist Christus „zu den Geistern gegangen“, was hier bedeutet, seine Vollmacht ist ausgeweitet auf alle, auch auf die, die schon vor ihm gestorben sind. Er geht zu allen, auch zu den Verstorbenen, auch zu den Geistern in der Unterwelt. Christus nimmt im Tod das ganze Geschick der Menschen auf sich, bis hin zur Trennung von Leib und Seele. Dem Leib nach ist er tot, seiner Seele nach steigt er in die Unterwelt hinab, wobei seine Seele dabei immer schon in der seligen Anschauung Gottes steht. Aus dieser Anschauung heraus vermag er souverän den gefangenen Geistern gegenüberzutreten und auch ihnen zu predigen. 

In visionärer Weise zeichnet die in Auschwitz ermordete Philosophien und Karmelitin Teresia Benedicta a Cruce – Edith Stein – in einem kleinen, für den Karmel geschriebenen Theaterstück namens „Nächtliche Zwiesprache“ diese Szene nach. Sie hat es für den Namenstag der Priorin, Mutter Antonia a Spiritu Sancto, im holländischen Kloster Echt im Juni 1941 geschrieben. Königin Esther, die die Welt durchzieht, um „den Heimatlosen Herberg zu erflehen, dem stets vertrieb’nen und zertret’nen Volk“ (Edith Stein, die vor der Verfolgung von Deutschland in den Karmel Echt geflohene Jüdin, spricht hier aus ihrer eigenen Erfahrung) erscheint der Priorin und erzählt ihr, wie sie mit den anderen Gerechten des Alten Bundes den „descensus ad inferos“ Christi erlebt hat:

„Wir harrten dort in Frieden,
doch fern dem Licht, darum in Sehnsucht stets.
Doch kam ein Tag, da durch die ganze Schöpfung
ein Riß ging. Alle Elemente schienen
im Zustand der Empörung, Nacht umhüllte
die Welt zur Mittagszeit. Doch mitten in der Nacht
stand, wie vom Blitz erhellt, ein kahler Berg
und auf dem Berg ein Kreuz, d’ran einer hing,
aus tausend Wunden blutend; uns befiel ein Durst,
aus dieser Wunden Quell Heil uns zu trinken.
Das Kreuz verschwand in Nacht, doch uns’re Nacht
durchdrang mit einmal ein neues Licht,
wie nie wir es geahnt: ein süßes, sel’ges Licht.
Es strömte aus den Wunden jenes Mannes,
der eben erst am Kreuz verschied; nun stand er
in uns’rer Mitte. Er war selbst das Licht,
das ew’ge Licht, das wir ersehnt’ von alters,
des Vaters Abglanz und der Völker Heil.
Er breitete die Arme weit und sprach
mit einer Stimme voller Himmelsklang:
Kommt zu mir alle, die ihr treu gedient
dem Vater und in Hoffnung lebtet
auf den Erlöser; seht, er ist bei Euch,
er holt Euch heim in seines Vaters Reich.
Was nun geschah, vermag kein Wort zu sagen.
Wir alle, die die Seligkeit erharrten,
wir waren nun am Ziel – in Jesu Herz.“ Soweit Edith Stein.

Das in den Zeugnissen der Heiligen Schrift eher nur angedeutete Glaubensgeheimnis kommt in der Theologie und Frömmigkeit der Väter zu einer volleren Entfaltung. Besonders zeigt sich dies in den Osterikonen der Ostkirche. Neben der Darstellung der Frauen am leeren Grab setzt sich schon sehr bald eine andere Ikone durch, die das Glaubensgeheimnis unserer Erlösung von Sünde und Tod ins Bild bringt. Zentrales Motiv dieser Darstellung ist das Hinabsteigen Christi zu Adam in die Unterwelt. Auf den frühesten und klarsten Darstellungen sind im Zentrum drei Personen zu sehen: Adam, Christus und eine nackte männliche Gestalt, die am Boden liegt. Christus, der mit einer Mandorla aus Licht umgeben ist, steht als Triumphator mit einem Bein auf dem Kopf des Mannes, der den Hades symbolisiert und Adam noch mit einer Hand am Bein festhält. Die Tore der Unterwelt sind zerbrochen und liegen gekreuzt da. Der Erlöser fasst mit seiner Rechten Adams Hand, dieser hat schon einen Fuß aus dem Totenreich heraus gesetzt. Neben Adam können noch Eva oder andere alttestamentliche Gerechte erscheinen. Das Bild trägt die Überschrift „Anastasis“, Auferstehung: Im Unterschied zur Westkirche, die mit dem Thema „Auferstehung“ bildlich meist den sich aus seinem Grab erhebenden Christus verbindet, stellt uns die Ostkirche die innige Bezogenheit der Passion und Auferstehung Christi auf die Erlösung des Menschen vor Augen: Durch die Passion des Erlösers endet die Passion des Menschen; in seinem Hinabsteigen zu den Toten reißt er den gefallenen Menschen ins Licht des Lebens, wie es in der schon eingangs zitierten Homilie des Epiphanios von Salamis heißt:
„Wach auf, Schläfer, und steht auf von den Toten, und Christus wird dein Licht sein! Ich habe dich nicht geschaffen, damit du im Gefängnis der Unterwelt festgehalten wirst. Steh auf von den Toten! Ich bin das Leben der Toten. Steh auf, mein Geschöpf, steh auf, meine Gestalt, nach meinem Abbild geschaffen! Erhebe dich, laß uns weggehen von hier! Du bist in mir und ich in dir, wir sind eine unteilbare Person. Deinetwegen wurde ich dein Sohn, ich, dein Gott. Für dich nahm ich, der Herr, deine Knechtsgestalt an. Für dich kam ich auf die Erde und unter die Erde, ich, der über den Himmeln thront. (…) Mein Schlaf wird dich aus dem Schlaf der Totenwelt herausführen.“

Das Schweigen des Karsamstags, wovon die Sindone so eindrucksvoll zu uns spricht, ist die Erwartungshaltung der ganzen Erde. Es erinnert an das Schweigen vor der Erschaffung der Welt (Gen 1,2), alles wartet, dass Gott machtvoll handelt. So ist es auch hier. Christus ist in die Welt gekommen und sein irdisches Werk, das Leben unter den Menschen und der Tod für die Sünde, ist vollbracht. Er hat sich in die Ahnenreihe des sündigen Menschengeschlechts eingereiht, um alle bis hin zu Adam, dem Stammvater aller Menschen, zu erlösen. Jetzt, am Karsamstag, im Tod, wo er auch mit ihnen, den Toten, solidarisch geworden ist, geht er wie auf einem Siegeszug in die Unterwelt, um alle herauszurufen, die der Tod noch in seinen Fängen hält: Adam, wo bist du? Die Toten, mit denen Christus sich im Tod solidarisch erklärt hat, ruft er jetzt auch in die Auferstehung. Die, mit denen Er im Tod sein wollte, hat er sich auch erwählt, dass sie mit ihm leben und die himmlische Gemeinschaft bilden. Der Tod vermag den gestorbenen Gottessohn nicht festzuhalten. Sein Einzug in die Unterwelt wird sein Siegeszug. Freilich, so lehrt hier Thomas von Aquin, reicht die Erlösung „nur“ zum limbus patrum, dem Ort der verstorbenen Gerechten; die tiefste Hölle erfährt zwar den Sieg Christi, hat aber an ihm nicht teil.  Hier respektiert Gott bis ins Äußerste die Freiheit des Menschen: Jene, die sich nicht erlösen lassen wollen, können auch nicht erlöst werden.

In unserer Zeit hat sich vor allem Hans Urs von Balthasar mit der Frage des descensus ad inferos beschäftigt. Er ist dabei in besonderer Weise von den Visionen Adrienne von Speyrs geprägt, die jeweils zum österlichen Triduum einen Höhepunkt erreichten. Als wesentlichste Aufgabe hat sich Balthasar gestellt, nach den biblischen Grundlagen zu fragen, um zu klären, „wieweit der Ausdruck ‚descendit ad inferna’ als gültiges Interpretament der biblischen Aussagen gelten kann“. 
Es ist Teil des Erlösungsgeschehens, dass Christus wirklich und ganz das menschliche Schicksal mit uns geteilt hat und so mit jedem Menschen solidarisch geworden ist. Er ist Mensch bis in den Tod hinein und er ist als Mensch tot gewesen. So wie für Balthasar beim Tod selbst die Erfahrung der Gottverlassenheit Jesu – „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen“ (Ps 22,2) – in der Mitte steht, so „muß er in der Solidarität mit den zur Unterwelt gefahrenen Sündern ihre – letztlich hoffnungslose – Gottgetrenntheit miterfahren“, nur dann hat Jesus den menschlichen Tod auch wirklich erlitten.
Diese Betrachtung der Gottverlassenheit und des Erleidens der Unterwelt als letzte Ohnmacht des Sterbens und des Totseins lässt Balthasar vor der alten Theologie des „Descensus ad inferos“ zögern, ja er sieht sie sogar als falschen Triumphalismus. Nicht die Macht des siegreichen Christus hat, so Balthasar, die Macht des Todes überwunden, sondern die Ohnmacht des Liebenden, die in der Begegnung mit Adam und mit der „Hölle“ immer tiefer hinabsteigt.
Tatsächlich hebt Balthasar in seiner Theologie einen Aspekt hervor, der bei den Vätern zu kurz kommt. Der Karsamstag, der Tod Christi, trägt zunächst nichts Triumphales an sich. Ein Blick auf die Sindone überzeugt uns, in der Liturgie des Karsamstag erleben wir es: Sie ist äußerst schlicht gehalten, es gibt keine Eucharistiefeier, alles konzentriert sich auf das stille Gebet und auf die Liturgie der Tagzeiten, besonders auf die Lesungen der Trauermette. Die Kirche ist von jedem Schmuck frei, die Altäre sind entblößt. Der Tod Christi lässt seine Jünger und damit die Kirche zunächst in Ratlosigkeit, Trauer und Furcht zurück. Der Gläubige soll still werden, Einkehr und Anbetung halten. Das Heil, das sich im Höllenabstieg ereignet, ist am Karsamstag noch verborgen, der Tod hat noch Macht, die ihm erst genommen wird.
Diese von Balthasar vertretene Sicht betont die eine Seite des Mysteriums, die Erniedrigung Jesu Christi, seine Solidarität mit uns bis in das Auskosten der tiefsten Bitterkeit des Todes. Aber auch der andere Aspekt ist wichtig: die Herrlichkeit. Jesus Christus ist wirklich gestorben, aber in diesem Tod ist er schon der Selige, der alle Gerechten, die mit ihm tot sind, in die selige Gemeinschaft ruft. Gott begibt sich in die Niedrigkeit, um die Menschen dem Tod zu entreißen und in die Höhe zu führen. „Da nun die Kinder Menschen von Fleisch und Blut sind, hat auch er in gleicher Weise Fleisch und Blut angenommen, um durch seinen Tod den zu entmachten, der die Gewalt über den Tod hat, nämlich den Teufel, und um die zu befreien, die durch die Furcht vor dem Tod ihr Leben lang der Knechtschaft verfallen waren“, lesen wir im Hebräerbrief (2, 14 f.). Seine Niedrigkeit wird unsere Erhöhung, seine Knechtschaft unsere Freiheit, seine Vermenschlichung bis in den Tod unsere Vergöttlichung.
Unter allen Mysterien des Lebens Jesu ist der descensus ad inferos das rätselhafteste. Worin besteht die Heilswirksamkeit dieses Momentes im Leben Jesu? Wohl darin, dass Christus in seinem Tod jedem Menschen begegnet. Das ist mehr als Solidarität, das ist die unmittelbare Zuwendung des barmherzigen Gottes zu den Toten.
„Abgestiegen zur Hölle“, schrieb der damalige Kardinal Joseph Ratzinger in seinen Meditationen zur Karwoche , „dies Bekenntnis des Karsamstags bedeutet, dass Christus das Tor der Einsamkeit durchschritten hat, dass er abgestiegen ist in den unerreichbaren, unübersteigbaren Grund unseres Verlassenseins. Es bedeutet, dass auch in der letzten Nacht, in die kein Wort mehr dringt, in der wir alle wie weinende, ausgestoßene Kinder sind, eine Stimme ist, die uns ruft, eine Hand, die uns nimmt und führt. Die unübersteigliche Einsamkeit des Menschen ist überstiegen, seitdem Er in ihr war. Die Hölle ist überwunden, seitdem die Liebe auch in die Region des Todes eingetreten ist und das Niemandsland der Einsamkeit bewohnt wird von ihm. Der Mensch lebt im Tiefsten nicht vom Brot, sondern im Eigentlichen seines Menschseins lebt er davon, dass er geliebt wird und selber lieben darf. Seitdem es die Anwesenheit der Liebe im Raum des Todes gibt, gibt es Leben mitten im Tod.“

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